Dlui
Leon Wacher
Cernauti
Str. Miron Costin 16
7/XII 1941.
Liebe Eva! Habe wiederum Gelegenheit mit einem Kourier zu schreiben. Hier bei uns ist alles aufs doppelte gestiegen, Rubel haben fast überhaupt keinen Wert nur Lei. Bei uns spricht man sehr viel herum von Nach hause fahren. Es sind bereits viele Leute in unbesetztes Gebiet zurückgefahren. Nach Cti. sind schon auch einige Leute schwarz gefahren. Es sind aber einige mit Autorization gefahren. Sie wurden in Czernowitz gemacht her geschickt und so sind die Leute zu Hause. Die haben angegeben sie sind Spezialisten oder grosse deutsche oder rumänische Firmen haben die verlangt. Tut was es möglich ist und rettet und koste es was es woll. Wir haben, nicht zu übertreiben bald nichts zu essen. Es ist Winter und die Bauern bringen absolut nichts hinaus und wenn die was bringen wollen die nur tauschen. Die Tante was vorige Woche krank, Sie hat Fieber gehabt und der Magen war verdorben. Es geht schon besser. Ich bin auch heute aufgestanden da ich zwei Tage Fieber gehabt habe. Der Papa hat schrecklich mit dem Magen zu tun und ich mit dem Darm. Wenn Du uns anschaust dann würde es Dir zum weinen sein. Bitte denn Meier, er hat doch gute Verbindungen er soll uns helfen. Er hat doch gute Verbindungen mit allen Grossen in Czernowitz die wirklich was machen können. Wir werden alles bezahlen bis zum letzten Groschen und nie vergessen dass ihr uns geholfen hat. Gehe bitte zum Onkel Schnul str. Sbiera 3a und nehme im Keller bei der Cousine Fani Gugel unser Silber. Es liegt dorten eingegraben im Keller. Vielleicht hat es schon die Fani oder der Schnul herausgenommen dann hole es bei denen. Nehme es zu Dir und bei guten Preis verkaufe es. Wenn es Dir möglich ist schicke uns unbedingt Lebensmittel (Zwieback, ausgekochte Butter, Zaharin oder anderen Zuckerersatz, Aspirin, Pyramdon, Veramon, Abführmittel, Schmal, Schnaps, Wurst, Konserven, kondensierte Milch, Wurst, Zigaretten an andere Sachen die Du schicken kannst. Das Silber bei der Fani besteht aus: 48 grosse Stück, 12 Salzlöfferl, 2 Salzfasserl, 2 kleine Becher, 1 grosser Becher und Silbermünzen. Schicke etwas gebackenes leichtes für die Tante und Papa da man denen wirklich nichts zu geben haben. Schreibe was der Grossvater macht und wo er wohnt was macht meine Baba. Unsere Autorization lauft am 1 Januar ab. Man verlangt wiederum Geld und viel. Schaue dass Du uns hilfst und uns nach Hause nimmst. Ich empfehle mich herzlichste Grüsse und Küsse von uns alle Bubi. Küsse an Mama, Papa, Großvater Meier und alle Verwandten und Bekannten.
Liebste Eva! Vor allem schreibe mir was der Großvater macht und bei wem er ist ihr sollt ihn bei Schmidl nicht lassen Habet ihr den Hausrat von der Baba gehalten man hat und hier begonnen aus zu rechnen bis wir haben uns verrechnet hat man ihr den Stein gestellt du sollst zu ihr am Grabe gehen und für uns bitten sie soll uns helfen denn wie viel der Bubi dir geschrieben hat ist noch zu wenig wenn man für alles auch mündlich erzählen sollte wirst du uns nicht glauben was wir hier leiden und drei Geschwister zu haben Deiner wollten sich für uns dort interessieren wir sollen auch bleiben können für die Opuschta hat sich die Schwester interesiert nicht wie unsere Schwester uns Beide seit gegrüßt Anna
Bin jetzt bei der Tante wo ich dem Courier erwarte. Die Tante Pepi hat Fieber 39º und hat absolut keinen Stuhl. Ich glaube sie hat das was die Mama Sommer gehabt hat. Schicke unbedingt Zitronen, Reis, leichte Sachen, Arzneimittel sage der Mama und dem Großvater gar nichts davon. Hilfe uns schnell sonst sind wir verloren. Schicke Pillen gegen Hämaroiden. Verbleibe geküsst Dein Cousin Bubi
D-lui
Blumentahl Meier
str. 11 Noembrier No. 23
Cernauti
Absender: Poltavskaia 32, Moghilev
Friedmann B.