Austria Judaica

Das vom Fond zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierte Projekt „Austria Judaica“ untersuchte die Geschichte der Juden in den österreichischen Ländern zwischen 1520 und der Vertreibung aller Juden aus Wien und Niederösterreich 1670/71. Es schloß damit an die Tradition des 1903 von der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ in Berlin initiierten, heute an der Universität Düsseldorf und der Hebrew University in Jerusalem beheimateten Forschungsprojekts „Germania Judaica“ an, das sich der jüdischen Geschichte in den Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland zwischen 1520 und 1650 widmet.

Ziel des Projekts war es, auf breiter Quellengrundlage alle Aspekte jüdischer Existenz im frühneuzeitlichen Österreich zu erforschen, wobei sowohl die innerjüdischen Entwicklungen als auch die Beziehungen zwischen Juden und ihrer christlichen Umwelt untersucht wurden. Die Themengebiete reichten daher von der Siedlungsgeschichte, Rechtsstellung und Wirtschaftstätigkeit der Juden über die soziale Differenzierung der jüdischen Gesellschaft bis zu familien-, geschlechter- und kriminalitätsgeschichtlichen Fragestellungen. Weitere Themen umfassten den Aufbau und das Funktionieren innerjüdischer Organisationsformen auf Gemeinde- und landesjudenschaftlicher Ebene, Kultur und Frömmigkeit sowie das alltägliche christlich-jüdische Zusammenleben in Stadt und Dorfgemeinde. 
Von besonderer Bedeutung für die jüdische Gemeinde der Residenzstadt Wien waren die vielfältigen wirtschaftlichen und familiären Beziehungen zu anderen jüdischen Zentren in Mittel- und Ostmitteleuropa.
Basis der Forschungen bildeten in mehrjähriger Arbeit erschlossene, umfangreiche Bestände ungedruckter Quellen aus zahlreichen österreichischen Archiven, welche zu einem Teil in eine Quellen- und Personendatenbank eingearbeitet wurden. Geographisch konzentrierte sich das Projekt besonders auf die jüdische Gemeinde Wiens sowie auf die niederösterreichischen Landjuden, die bis dahin von der Forschung nahezu völlig unbeachtet blieben.
Von 1998–2003 bestand neben der Austria Judaica das vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanzierte Kooperationsprojekt „Bohemia, Moravia et Silesia Judaica“, welches die Erforschung der Beziehungsgeschichte der österreichischen und böhmisch-mährischen Juden zum Ziel hatte.
Im Rahmen des Partnerprojekts „Hungaria et Slovakia Judaica“, finanziert durch den Hochschuljubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank, konnten in den Jahren 2000-2002 auch ungarische Bestände gesammelt werden.