Moghilau 14/12 1941
Meine sehr, sehr Lieben!
Ich habe schon einige Mal der l. Berta geschrieben und zwar rekomandiert und hoffe, dass sie unsere Post erhalten hat. Auch privat habe ich schon geschrieben. Gestern habe ich von Dir l. Malika den Brieferhalten und die zehn Alufin und habe sofort dem Mandi fünf davon gegeben. Was Du dadurch an uns getan hast, kann ich Dir nicht beschreiben. Jetzt will ich Dir Deinen Brief ausführlich beantworten. Unsere Lage zu schildern müßte man Romane schreiben, ich habe auch schon darüber geschrieben an Mandi auch. Ich besitze das was ich am Leibe habe, denn alles habe ich in Ataki verloren natürlich nicht freiwillig. Nicht einmal mein Ehering ist mir geblieben. Wenn mich nicht der Bubi gerettet hätte, wer weiß wo wir wären und ob am Leben. Teuerung ist hier horrend und keine Verdienstmöglichkeiten. Leute fallen auf den Strassen vor Hunger und täglich 20 – 30 Todesfälle. Wenn nicht bald eine Rettung kommt, so gehen wir alle zu Grunde. Wer noch Glück hat von Euch unterstützt zu werden, der erhält sich noch. Wenn Ihr könntet uns etwas Lebensmittel zu schicken. Ein Brot hat man heute 500 Lei verlangt und ein großer Mangel. Meinen Leuten geht auch schon langsam das Geld aus. Wir sind 9 Personen und die Bewilligung zum Bleiben hat sehr viel gekostet. Man braucht täglich 1500 Lei zum Leben d.h. zum Hungern, denn sattessen können wir nicht und nichts Nahrhaftes. Wir sehen alle schrecklich aus und die Kinder haben immer Herz [XXX]. Nur eines kann uns retten. Seid glücklich, dass Ihr in Euren Betten schlaft und Euch waschen könnt. Durch Mandi habe ich von Berta fünf Alufin erhalten, was ich auch durch Telegram und rekom. Karte der Berta bestätigt habe. Dann habe ich aus Bucarest ohne Brief und ohne Absender (wahrscheinlich Jusier) 35 Alufien erhalten, abzüglich zwei Alufin die man sich hier abgezogen hat. Ich habe Jusier darauf geantwortet rekom. Dann die fünf Alufin gestern von Dir. Das ist alles, was ich bekommen habe und bin ich auch allen unsagbar dankbar. Ihr erhält mich dadurch am Leben, denn meinen Leuten ist auch sehr schwer. Tante Rachel hat heute von Jusier fünfzehn Alufin erhalten, durch denselben der mir gebracht hat. Fitzin war in Bolimat, hat dort sehr schöne Geschäfte gemacht, viel verdient und von dort in eine andere Richtung geschickt worden, so dass man nicht weiß, wo er ist.
Warum schicket nicht Regina der Tante? Onkel Kurz wohnt mit Josef Leiser und der Ida zusammen. Er bekommt Post und auch Gold von Berta aus Bucarest. Er ist ganz heruntergekommen durch seine Unglücksfälle. Unser einziger Trost ist noch, wenn wir von Euch Nachricht erhalten und die Hoffnung, dass vielleicht wir uns doch einmal wiedersehen werden. Ist keine Möglichkeit uns herauszunehmen? Wir warten täglich auf ein Wunder. Man spricht doch hier, dass wir nach Hause fahren werden. Oder das nur eine Phantom, das uns narrt. Schreibet uns öfters, warum schreibt nicht Berta zu mir und Lutzin und Leo? Was machen Eure teuren Kinder? Haben die Hände Arbeit? Wir leben wie in einer Wildnis, verfolgt von Hunger, Kälte und Ungeziefer. Übergib beiliegenden Brief dem Sonntag und lies ihm folgendes vor, da ich nicht viel und noch noch schreiben kann.
Lieber Schimon! Habe von Dir das Telegram und von Herman eine Karte erhalten, daß man mir die Dokumente geschickt hat. Bis heute habe nichts erhalten und eruiere wo die Papiere geblieben sind. Zu meinem Pech kann ich sie zum 2. Mal verlieren. Interessiere Dich wo sie sind und ob er hier war mit den Papieren. Hast Du dem Schleier den Zettel von seinen Eltern übergeben? Ich habe Dir schon einige Mal geschrieben und von Dir keine Antwort erhalten. Ist eine Karte so teuer? Schreibet uns wie es Euch allen geht und ob Du etwas verdienst? Schreibe mir, was mit den Dokumenten ist und warum Hermann mir nicht hilft. Interessiert er sich um mich, so wie Bubi sich um seinen Schwager interessiert hat und vom sicheren Untergang errettet hat. Bitte beantworte mir alles. Kuss Euch alle Polalj
Liebste Malika! Lies diesen Brief allen unseren Lieben vor, da ich einige Briefe nicht schreiben kann. Man nimmt nim mit. Euch allen vielen Dank für alles, seid gesund und vor allem Schlechtem behütet. Schreibet uns so oft als möglich. Viele innige Küsse von und allen Eure dankbare Polaj.
Besondere Küsse der Tante Lotti und allen Kindern. Küsse von Martha auf meine Kindern, so wie von meinen Leuten, Viele herzliche Küsse, 1000 Dank für Eure Hilfe Martha