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F-1061, inventar 1, dosar 2, 32-33 - de

Scan eines Briefes aus Transnistrien in die Bukowina, den Dr. Albert Twers mitgebracht hat

14/XII
Lieber Lutza!
Zu unserer über 600 Köpfe zählenden Kolonie sind wir zu unserer grössten Schande und unserem bittersten Schmerz die einsigen, die bis heite ohne Nachricht und ohne Hilfe von unseren Nächsten geblieben sind. Ich habe mir schon die Finger abgeschrieben nach Bucuresti und nach Cernauti und kein Mensch rührt einen Finger für uns. Ich bin weit davon entfernt, Dir einen Vorwurf zu machen, aber ich kann meinen Schmerz nicht verwinden, wenn ich sehe, dass ich in diesen so furchtbaren Tagen so ganz verlassen dastehe. Und es wäre wirklich Schade und eine grosse Sünde zugleich, mich und meine kleine Familie so elend untergehen zu lassen. Ich bin nach wie vor von Deiner Freundschaft und Deiner Liebe

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zu uns fest überzeugt und ich beschwöre Dich bei dem Andenken an unserer unvergessliche Mia nichts unversucht zu lassen, und aus dieser Hölle zu befreien, aber sehr bald, bevor es zu spät wird. Zu zehnt in einem kleinen, ungeheizten, finsteren Raum bei der kärglichsten Kost unter den unhygienischsten Verhältnissen zu leben bedeutet für uns den raschen und sicheren Tod. Am meisten leidet die arme Margit. Sie hat 20kg abgenommen und ist um ebenso viele Jahre gealtert. Wir haben nicht die geringste Ambition, in der „geheiligten“ ukrainischen Erde zu liegen. Unsere Lage, unsere Not, unser Elend, unserer Erniedrigungen zu beschreiben ist meine Feder zu schwach. Ich bitte Dich sehr, Dich und einer Frau Glass, Baltinester

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Gasse 16, einer langjährigen Patientin von Dir in Verbindung zu setzen. Sie wird Dir sehr wertvolle Aufschlüsse geben. Wenn Du uns etwas schicken kannst – dass Du willst steht für uns ganz ausser Zweifel – so wird sie Dir zu raten und zu helfen wissen. Die Not nimmt täglich erschreckendere Forman an. Ein Brot kostet heite schon 600 Lei, für Rubel bekommt man schon nichts. Die Leute wollen nur Kleider, Wäsche, Schuhe, Seife etc. aber woher all das nehmen? Für einen Polster bekommt man bestenfalls ein Brot, für ein Stückchen Holz von 25-30 kg muss man 500 Lei zahlen. Ich bin Streckenarbeiter und bekomme täglich 1 kg Brot um 5 Rubel und damit müssen wir alle 3 leben. Wenn wir dazu eine Zwiebel

 

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Herrn
Dr. L. Krasnoselsky
Cernauti
Str. Mircea Voda 19a
Nr. 19a

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