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F-1061, inventar 1, dosar 2, 173 - de

Scan eines Briefes aus Transnistrien in die Bukowina, den Dr. Albert Twers mitgebracht hat

Liebe Hermine ich bitte Sie diesen Zettel sofort nach Erhalt in die [Erzherzog] Eugen Gasse No. 3 am II Stock rechts an meine Freundin zu übergeben. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich in grösstem Elend und Not lebe. Wenn Sie etwas ihren Angehörigen schicken so suchen Sie meine Freundin auf sie wird Ihnen für mich so manches übergeben und Sie packen es bei. Ich wünsche Ihnen alles Gute und danke bestens Lina

Liebste Ana, ich oft an Dich geschrieben aber nichts erhalten. Wir sind nackt u. barfuss u. liegen in einem demolierten Hause. Wir träumen von Essen. Du kannst Dir überhaupt nicht vorstellen was ich durchmache. Vor allem bitte ich Doch Du sollst hinüber gehen zur Frau vom deutschen Consul, sie heisst am Z[XXX]en Hermann im Consulat kannst Du erfahren wo sie wohnt. Du sollst sie an die Miedermacherin erinnern u[nd] sage ihr ich habe seinerzeits den Salon krankheitshalber aufgegeben war in Buc.[arest] im Spital und bin zu den Eltern nachhause gekommen, bevor die Russen nach Cti [Czernowitz] gekommen sind. Sage ihr ich habe während die Russen Deine Mutter erhalten und Dir deine Sachen gerettet, darum willst Du mir jetzt helfen. Vielleicht kann sie uns zu einem nachhause fahren helfen. Solche Fälle komen täglich vor. Brauchst ihr den Zettel nicht zu zeigen, sage ihr, ich habe Dir das sagen lassen. Wenn sie will etwas helfen so heiss[...] ich Weiss Lina, die Schw.[ester] Druckmann Frieda, u[nd] der Vater Druckmann Aron 71 Jahre alt. Schicke mir was Du kannst, vielleicht führt jemand von Deinen Bekannten, Geld nur in Lei, verkaufe die Tasche u. das was noch mir ihr eingepackt war. Wenn Du kein Geld hast, frage meine Verwandten in unserem Hause wo die Familie Schaffer wohnt

Scan eines Briefes aus Transnistrien in die Bukowina, den Dr. Albert Twers mitgebracht hat

gehe hin u.[nd] sage denen die sollen für uns geben was die können u richte Grüsse aus. Mache was Du kannst denn ich verhungere u.[nd] fühle mich sehr elend u.[nd] unglücklich. Das Paket vernähe in einigen Sackerl. Wenn es ist möglich schicke mir Seife, Zucker, Speck, Teig u.[nd] was Du kannst. Wir haben gar nichts. Ein Brot kostet fünfhundert Lei u.[nd] schon wochenlang habe ich keines in [der] Hand gehabt. Ich werde nicht oft schreiben, damit Euch dorten nichts kosten soll. Ich bitte Dich, mache was Du kannst. Ich küsse Dich u.[nd] die l[ieben] Deinen u.[nd] wünsche Dir glückliche Feiertage Kuss.

Liebe Hermine wenn Sie die Freundin nicht finden so fragen Sie meine Verwandten in unserem Hause nach ihrer Adresse, nur tragen Sie den Zettel persönlich zu ihr. Dankend Lina

Die Druckman ist wohl in Not glaubt aber nicht, dass auch wir. Seid unseretwegen unbesorgt

Hermi

Der Druckmann werden wir vielleicht Arbeit verschaffen.

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