14/XII
Meine Teuersten u. einzig geliebten!
Was von Euch ein Brief für mich bedeutet könnt Ihr Euch absolut nicht vorstellen Ihr gebet mir damit die Kraft wieder eine Zeit atmen zu können. Der Brief wird so oft von mir gelesen und mit Tränen befeuchtet bis ich ein frisches Schreiben von Euch bekomme. Und mir Eure Schreiben erhalten mich am Leben. Meine Kraft und der Mut haben leider schon verlassen aber die Energie ich will und muß Euch meine Teuersten auf der Welt wieder sehen verhelfen mir noch dazu in dieser Misere mich auf den Füssen zu halten. Was soll ich Euch meine Einziggeliebten sagen, mir Euren guten Taten haben Euch von diesem Elend verschont in welchem täglich hunderte von Menschen zu Grunde gehen. Gott der Allmächtige möge Euch weiter schüzen dies ist noch mein einziger Wunsch. Ihr habt es verdient Ihr seid edle Seelen
und hab an den lieben Eltern wie auch an uns allen viel Gutes getan. Gott möge es Euch vergelten. Ich bin doch so glücklich, dass Ihr zu Hause geblieben seid. Ich habe wie eine Wahnsinnige laut weinend und schreiend dafür Gott gedankt, daß Ihr dieses Elend und Schmutz nicht ansehen und spüren müsset. Genug davon ich schreibe Euch nichts mehr darüber. Bitte mir Gott wir sollen gegenseitig die Kraft besitzen alles durchzuhalten um uns in Freuden wieder sehen zu können. Vielleicht wird auch einmal der Tag unserer Erlösung kommen. Ich weiss es mein zermürbtes Herz spürt es doch daß ihr meine Geliebten uns wieder sehen wollet und alles Mögliche tut. Gott soll uns helfen. Es gibt für mich keine Wünsche mehr mir Euch und
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alle meine Teuersten wiederzusehen dann bin ich bereit. Euch meine Einzigen kann ich Eines sagen, Gönnet Euch alles, esset gut nur erhaltet Euch die Kraft und Nerven die ist nebst dem Gebote unbedingte Notwendigkeit. Juni hat mir immer gesagt iss und trink und lebe. Guten Tag – Ich habe das niemals verstehen können heute ist es leider schon zu spät. Nun meine ich Euch damit: Esset und trinket das Schönste und Beste. Ihr hattet jetzt eine so gute Gelegenheit warum habet Ihr mir über Euch nichts Näheres geschrieben. Wie geht es Euch, wie lebet Ihr, was hattet zu überbrücken. Ich will nicht meine Teuersten Eure Briefe sollen mir lauter Sorgen um uns sein, schreibet mir mehr über Euch etwas Gutes wonach ich so sehr brenne. Ärgert Euch
nicht über uns so viel, vielleicht wird Gott helfen und wir werden es durchhalten dann werden wir alle in Freuden erzählen. Heute ist der erste Chanuka–Tag vielleicht wird ein Wunder geschehen wie vor vielen Jahren. Versprechet mir meine Teuersten daß Ihr Euch über uns nicht ärgern werdet, dann ist mit schon geholfen. Also sei vernünftig teuerste Schwester, ich will noch Brot essen von Deinen Händen gebacken, drum sei stark. Die 50 Dosen habe erhalten auch Butter was sonst noch werde morgen sehen dann auf den Wege zu Herrn Dr. Twers ist er mir auf der Strasse begegnet und hatte keine Zeit mit mir zu sprechen. Sehe morgen früh nochmals hin um mir persönliche Grüsse zu holen. Ich danke Euch vielmals für Eure Aufopferung. Ich will hoffen Euch die Dosen persönlich rückzuerstatten. Habe dieselben momentan nicht benötigt. Nur wie gesagt man
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weiss nicht was der Morgen bringt. Dem Schendel habe 5 Dosen gegeben. Frau Weisselberg werde auch die 10 Dosen und bezglüglich der Hausfrau u.s.w zukommen lassen ein Schreiben es trifft sich nicht täglich eine Gelegenheit. Werde schon besorgen. Wegen Lezu Diserl glaube ich l.[ieben] Adrenul dass Du dies Herr Kern eingebrockt hat werde mich jedoch morgen interessieren über ihre Lage und handeln wie ich verstehen werde. Werde Euch dann darüber verständigen. Wegen Bertha u. Arie steht die Sache folgend: Meines Erachtens nach verdient Arie ab und zu etwas, aber wenn man noch eine Einnahmequelle hat kann nicht schaden denkt er sich. Nun kommt er heute zu mir und fragt mich ob ich weiss daß jemand aus Radautz gekommen ist, nun sage ich ja. Will er wissen ob man mir etwas gebracht hat. Frage ihn weshalb er fragt sagt
er mir: ich habe zum [XXX] nach Rdti [Radautz] geschrieben um Geld. Daraufhin sage ich ihm ich weiss doch dass Du verdienst sagte er mir er verdient nicht soviel wieviel die benötigten. Ich sagte ihm daraufhin ich werde ihm 2000 Lei geben. Nachmittags kommt er zu mir und verlangt von mir 5000 Lei mit dem Bemerken der Onkel hat an Singer (Schwiegersohn Postelnik) geschrieben, er soll sich bei mir nehmen wieviel er benötigt. Werden ihm natürlich nur 2 Dosen geben u. äussert Ihr Euch für weiteres. Er meint er wird dem Piniu schreiben er soll dem Avrenul abschicken. Meine Teuersten man darf sich heute nicht zu tief im Menschen hereinlassen denn die Zeit hat es mit sich gebracht daß man ohne Schande ist und meint der Andere muss mit helfen. Der Arie meint er muss nach Hause fahren, desgleichen auch Schendel.
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Das heisst nach Cz. [Czernowitz] gibt es ein fahren „schwarz“ was aber viel kostet. Schendel will dsbzgl. [diesbezüglich] an Peretz schreiben er soll ihr helfen. Sie wird sich wegen der 10 Dosen bei ihm bedanken und hofft wenn sie in Cz. [Czernowitz] ist von ihm einen Monatsgehalt zu bekommen. Auch behauptet sie bei Euch Dosen zu haben. Teuerster Avrenul wegen Deiner Schwester Fanie Terner, sei unbesorgt. Die sind in einem Dorfen von hier 40km. u. wie mir Schendel erzählt gehr es denen gut werde trachten Dich mit denen in Verbindung zu bringen. Sei dsbzgl. [diesbezüglich] unbesorgt. Der Waldi hat schrecklich geweint wie ich ihm vorgelesen habe, dass Du ihm mit jemandem auf der Bahnstrecke vertauscht hast. Lieber Avrenul. Wenn ich gewusst hätte was uns hier
erwartet, dann wäre bestimt nicht eine solche Egoistin gewesen und hätte Euch den Waldi überlassen wenn es ginge. Die Teehalle funktioniert auch in Wirklichkeit man könnte etwas verdienen wenn es wäre was zu verkaufen aber leider bringt man nichts am Markt hinaus. Es wird mir befürchtete eine Hungersnot. Man hat seit einigen Tagen kein Stückchen Brot gesehen und wenn ein Brot zu fidnen ist dann kostet es 500 Lei. Die Teuerung und das Elend ist nicht zum beschrieben Gott soll mir helfen eine rasche Hilfe Wir haben Gsd. [G*tt sei Dank] noch keinen Hunger gelitten. Wir erhalten uns wie wir können. Leider haben wir von Eurem grossen Pakt nicht viel bekommen, denn es ist noch ein Kiste in Schreibe, die scheinbar schon nicht mehr bekome. Die ist hier in Ataki und man kann sie nicht herbringen. Wenn man nicht jemaden trifft der pers.[önlich] übergeben will dann ist schade
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das Schicken. Ihr habet gewiss auch l.[ieben] Oscar meinen vorigen Brief überschickt damit er weiss sich wie zu richten. Die Schuhe meine Teuerste habe ich bekommen d.[ie] sind Stoffschuhe nicht wahr. Ich wollte dieselben der Mutter geben so wollte sie dann die Schuhe nehmen. Es ist ein Kreuz mit empfindlichen Menschen aber wis lässt sich machen. Gott soll mir mir helfen ich soll die wieder nachhause bringen gesund. Ihr schreibt mir meine Teuerste der l.[iebe] Sonin arbeitet für uns in welchem Sinne mir uns von hier hinaus zu nehmen? Was habet Ihr dem H.[errn] Gen[eral] mitgegeben? Papiere die uns zu etwas verhelfen werden. Hat er Euch etwas versprochen? Von den Kindern aus Bucarest haben wir bloß 1 Telegramm bekommen u.[nd] seither nichts. Ob die sich etwas interessieren weiss ich nicht weil die nicht schreiben Ihr sollt meinen Liebsten hierher keine Telegramme
schicken. Ihr verschleudert umsonst das Geld. Seid beruhigt. Ich werde Euch immer p.[er] Postkarten schreiben ob die Euch erreichen werden weiss ich nicht. Eure Karten gehen 8 Tage bis her. Es waren keine Karten zu bekommen, jetzt habe schon 10 erwischt, sodaß ich werde schreiben können und Ihr schreibet mir auch regulat. Denn dies ist meine einzige Freunde. Teuerste Kinder meine, wie meinet Ihr werde ich wert sein bei Gott Euch noch einmal zu sehen? Ihr seid so gut zu mir gewesen und ich habe Euch so riesig gerne aber ich will Euch noch sehen. Teuerster Avrenul Du fehlst mir hier bestimmt ich wäre von so mancher Sorge los dies haben wir oftmals besprochen. Aber ich danke dem l.[ieben] Gott, dass Du
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eben nicht hier bist und Gott soll Euch beschützen davor. Schreibet oft und schreibet mir wenigstens eine Länge dass wir bald nachhause können. Dies ist eine Injektion für mich. Was gibt es in meinem gewesen Haus wohnt jemand dort? Schreibet bald wieder Herzliche Küsse meine Teuerste an Euch allen Bleibet gesund u. auf frohes Wiedersehen
Gusta