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F-1061, inventar 1, dosar 1, 43-44 - de

Scan eines Briefes aus Transnistrien in die Bukowina, den Dr. Albert Twers mitgebracht hat

Herr Oberlehrer Prosser, Radauti
No. 1, Moghilau, 14 / XII 41
Sehr geehrter Herr Oberlehrer!
Ich habe Ihnen zwar vor einigen Tagen durch Herrn L. geschrieben, da über Herr Tw. inzwischen heute hergekommen ist und morgen nach hause fährt, schreibe ich vorsichtshalber nochmals. Ich bitte Sie nochmals verehrtester Herr Oberlehrer sich mit Frau Bindewald ins Einvernehmen zu setzen, dass die gleich nach Czernowitz bzw. Jassy fährt und wegen unserer Angelegenheit beim Herrn K. persönlich vorspricht. Dokumente sind Frau Bindewald. Für Unkosten bitte alles zu bestreiten. Bitte alles mit Frau Bindewald persönlich zu besprechen. Wir werden und für ihre Mühe besonders revanchieren. Unsere Lage wird von Tag zu Tag unerträglicher und gehen wir bestimmt zugrunde, wenn Sie uns in letzter Stunde nicht retten. Wir sehen so verändert, dass Sie verehrter Herr Oberlehrer uns nicht mehr erkennen würden.
Wir bitten Sie sehr darum uns zwei Zeugnisse zu schicken und zwar eines in rumänischer und eines in deutscher Sprache und zwar, daß wir deutscher Abstammung sind, deutscher Gesinnung u.s.w. und dass Sie als deutscher

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No. 2
Gelehrter die Behörden ersuchen, uns nach jeder Richtung hin in Hand zu gehen. Diese 2 Zeugnisse könnten uns im Bedarfsfalle sowohl bei einer deutschen als auch bei einer rumänischen Behörde von großem Nutzen sein. Nur müssten diese Zeugnisse eine Aufschrift gedruckt und zwar Deutsche Gauleitung Radauti haben und auch eine Stampiglie zumindest eines von beiden. Sollten Sie sehr geehrter Herr Oberlehrer keines von beiden haben, bitten wir Sie dies auf unsere Kosten gleich anfertigen zu lassen. Eventuell wäre es gut beide Zeugnisse vom Pfarramt mitbestätigen zu lassen. Bitte uns diese beiden Zeugnisse bei nächster Gelegenheit entweder durch Herrn Tw. oder andere verläsliche Gelegenheit zukommen zu lassen. Entschuldigen Sie unsere Anmaßung aber unsere Not ist unbeschreiblich und wir wenden uns an Sie verehrtester Herr Oberlehrer wie an einen guten Vater. Der liebe Gott wird es Ihnen und der Frau Bindewald lohnen, dass Sie anständigen, unglücklichen Menschen in größter Not helfen. Es handelt sich um die nackte Lebenserettung. Wir hungern buchstäblich, da wir kein Geld mehr haben und Lebensmittel nicht zu bekommen sind. Wir wären mit trockenem Brot und Kartoffel glücklich, aber auch das ist nicht einmal mit Geld erreichbar. Bitte aber darüber mit niemandem sprechen, ausser mit Frau Bindewald.

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No. 3
Wie wir hören muss die Erledigung vom Gouverneur nach Bucarest zum Consiliul de ministri gehen. Hoffentlich wird dieser Weg nicht zu lange dauern und gehen wir hier inzwischen nicht zugrunde. Ich bitte Sie auch verehrtester Herr Oberlehrer, uns 50.000 Lei zu schicken, aber die Noten mit Tarancutu da die anderen Noten hier nicht mehr gehen, sondern nur die mit Bäuerin. Wir sind beide Reserveoffiziere, mein Bruder war legionar volunter im Jahre 1918 und zuletzt Locotinent beim stüt.mayor. Ich selbst haben den Weltkrieg als Leutnant durchgemacht war 2 Jahre nur an der russischen Front im Truppenverband eines reichsdeutschen Infanterieregiments und haben neben österreichischen Auszeichnungen auch zwei deutsche Orden. Ferner war ich im jetzigen Kriege von Juni - Juli 1942 als medic sufocat sef einer Gruppe von Braucadieri [Verwundetenfürsorge] an der bessarabischen Front. Bitte auch gefälligst hervorzuheben, dass wir

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No. 4
aus der Südbukowina sind aber diesem Teil, der von den R.[ussen] nicht besetzt war.
Also nochmals verehrter Herr Oberlehrer helfen Sie uns bitte rasch, scheuen Sie keine Kosten und Mühe. Sie handeln gewiß im Sinne Ihres verstorbenen Sohnes, den ich sehr hoch geschätzt und verehrt habe und der auch für mich alles getan hätte, wenn er am Leben wäre. Ich hoffe wir werden die Gelegenheit haben, Ihnen für alles persönlich zu danken und sich revanchieren zu können. Ich und meine Familie grüßen Sie herzlichst.
Ihr dankbarer Dr. Oskar Schwind
Handküsse an die gnädige Frau.
Beiliegend ein Schreiben für Frau Bindewald von meinem Bruder.
Meine jetzige Adresse Moghilau, Str. Adolf Hitler 19
Bitte wenn notwendig auch nach Bukarest fahren um dann unsere Erledigungen zu beschleunigen
Herzliche Grüße Ihr dankbarer Phöbus Schwind

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