
An Herrn Dr. Eduard Kissel, avocat Suczava,
str. Regele Ferdinand 58
Liebe Kinder!
Wir haben Euch schon viele male geschrieben, aber von Euch bis heute ausser den paar Zeilen in dem Briefe des Dr. Taster nichts erhalten. Offenbar ist die Postverbindung mit dem Süden der Bucowina unterbunden. Von Cernauti und aus dem Ryat bekommen die Leute Post, Pakette und mit Courier auch Geld. Diesen Brief wird Frau Rat Geller Euch durch ihren Bruder aus Cernauti zukommen lassen. Bitte uns auch durch ihn zu schreiben, da wir nach Nachrichten von Euch lechzen und schon sehr beunruhigt sind. Wir sind – auch die Baba – gesund, aber schon ziemlich herabgekommen: Wohnen in einem kleinen Loch mit Lehmboden, schlafen beide auf einer Tür über 4 Sessel, essen ziemlich primitiv, aber trotzdem läuft das Geld weg, da Brot zu 20 Rubel Holz 16 Kg. 20 Rubel und sogar das Wasser Geld kostet. Mit uns sind auch die Kirmaiers und die Rosenfelds; Adolf mit Bagens in der Nachbarschaft. Wir hofften zu Weihnachten zuhause zu sein doch scheinen uns die grossartigen Nachrichten, die hie und da zu uns dringen nur zu narren. Einige Familien sind doch nachhause gerufen worden, so die Beiners aus Suceava, es scheint mit Hilfe des Alexeanu und wir haben deshalb auch an Hr. Percavschi, Tiraspol brieflich gewendet und ihn gebeten sich mit Dir in Verbindung zu setzen. Ob er den Brief je erhält ist sehr ungewiss. Ich glaube dass Edi sich Mühe gibt, uns von hier los zu bekommen, wir beten dass es ihm gelingt, denn die Verhältnisse werden immer ärger und der Winter hat hier sehr streng eingesetzt. Wenn Edi persönlich herkommen könnte würde er mit sehr

viel Geld nachhause fahren, da sich viele Familien gemeldet haben, die seine Intervention in Suceava wünschen und sehr gut dafür bezahlen wollen um in die Liste de frig hinein zukommen. Manche haben sich auch schon brieflich an ihn gewendet. Dr. Rosenfeld bittet den Edi auf eine schriftliche Anweisung von ihm kein Geld auszufolgen, da die Anweisung gegenstandslos wurde. Schreibt bald was Ihr macht, ob Ihr gesund seid und ob Aussichten vorhanden sind, dass wir je befreit werden. Aber die Wahrheit keine unrichtige Trösterei, damit wir uns danach einrichten, vielleicht eine Anisserie eröffnen oder sonst Arbeit suchen. Es küsst Euch P.
Sargovd 8/12 41.
Meine lieben Kinder! Diesen Brief hat der Papa gestern begonnen und ich setze heute fort. Wir hatten mir der Baba eine sehr schlechte Nacht und Gott weiss ob er eine noch mache bringe. – Jeni Schapira und ihre Eltern werden von ihrem Bräutigam, dem Dr. Schäfer aus Lum [l. d.XXX] [XXX] am genommen. Schreibet durch Herrn Landwehr Cern. 10 Mai 10. da wir noch keine Zeilen von Euch haben. Wir sind am Rande unseres Geldes und unserer Nerven, und keine Arbeitsmöglichkeit. Seid Ihr meine Lieben gesund?
Mit vielen vielen Küssen Mama
Helfet uns!!!