Liebe Olga!
Ich lasse keine Gelegenheit aus an Sie zu schreiben. Ich flehe Sie an schreiben Sie mir wenigstens einmal wie es bei mir zu Hause aussieht, der Herr Paul schreibt, daß Sie gar kein Interesse haben, wie alle anderen. Ich bin sehr neugierig, wo Sie wohnen, haben Sie der Frau Gerda nicht gegeben von meinem großen Vorrat? Ich bitte Sie, schicken Sie mir mit wem Sie können ein kleines Packet, was ich unbedingt benötige: Pfefferminztee, Kimmel, Pfeincheltee, Sauersalz, was Sie noch verstehen schicken Sie mit Herrn Larionescu oder mit dem Dr. Twers. Die Frau Gerda hat mit Dr. Twers sehr schöne u. wertvolle Packete geschickt, die hat der Herr Bercu von mir weggenommen und hat dem Kind nicht einmal eine Bonbone oder ein Stückchen Schokolade, von Butter ist überhaupt keine Rede, daß man meinem Kind etwas geben wird, solange ich gehabt habe, hat nur der Herr Bercu und alle anderen alles verbraucht, wir sind dem Hungertod ausgesetzt, man bekomt für Geld gar keine Lebensmittel, nur im Tauschwege bekomt man
hie u. da etwas. Kommen Sie nicht zur Frau Gerda? Warum sind die Leute so aufgebracht. Ich bin sehr unglücklich und krank, es tut mir nur leid, daß mein Kind hungern muß, ich kann doch entbehren, aber das Kind ist schon so grün wie eine Zitrone. Die Frau Berta gibt uns noch obendrauf den Todesstoß. Erbarmen Sie sich, doch wenigstens unserer, weil wir haben sonst nicht von wem etwas zu verlangen. Potasch sollen Sie auch nicht vergessen. Es küsst Sie ihre sehr unglückliche Frau
Liebe teuerste Olga!
Wir lassen keine Gelegenheit aus Ihnen zu schreiben. Warum schreiben Sie nicht? Ich bitte Sie schicken Sie mir paar Süßigkeiten, Schmalz, Butter etc. Die l. Tante Gerdi wird vielleicht zu Weihnachten zu uns kommen, sind Sie so gut und machen Sie ein Packet und geben Sie es mit. Ich wünsche Ihnen fröhlichen Weihnachten und ein gutes u. glückliches Jahr. Es küsst Sie Melita
Olga
Radautz