Hochgeschätzter Her Röder!
Erst heute komme ich dazu an Sie zu schreiben. In Mohilew lebt man ärger denn [im] Gefängnis. Die Teuerung ist enorm, man verhungert. Den Rubel hat man am 22/XI mit 40 Lei gewechsel, heute ist ein Rubel 3 Lei – Ab 26/XII geben [sie] ]mir [für] R[eichs] Mark 20 Rubel = 1 RM [Reichsmark]. Ein Brot kost[et]] hier 4000 Lei, 1kg Wurst 5000 Lei, ein Kg Fleisch 2000-3000 Lei. Man verhungert + geht zugrunde täglich. Es hieß das Pensionisten bald repatriert werden. Leute aus Bucurest behaupten man soll sich an den Herrn Advokaten Chirila wenden. Bitte alles zu tun an Hrn Chirila sich zu wenden damit wir bald nach Hause reisen – sonst gehen wir hier zugrunde. Sollten Sie das rasch durchsetzen – so werde ich Ihnen Frau ewig dankbar sein. Der Kostenpunkt ist nicht die Hauptsache. Ich bitte Sie, Gemahlin flehentlich – Rettet uns vor dem Untergang. Samt den Herrn Magid, Cinila [?] od. Lucin die auch wenden sich an dank. Mit vielen herzl[ichen] Grüßen u. Handküssen an Frau Gemahlin L. Krämer
Wir sind über 60 Jahre alt, Pensionisten
Sehr geehrter Herr Röder!
Der Not gehorchend, wende ich mich an Sie und an Ihre werte Frau Gemahlin mit einer inständigen Bitte. Es wird behauptet, daß Pensionisten ein Recht auf Repatriierung haben. Erbarmen Sie sich unser, haben Sie Mitleid mit uns! Gehen fast hier Hungers zugrunde. Bitte Sie von den Advokaten Chirila zu wende er soll das Durchführen. Habe seit 3 Jahren Pension. Nr. meines Büchels Geld [Sparbuch] ist 768. Werde Ihnen die Ausgaben mit tausend Dank zurückerstatten. Erbarmen Sie sich unser! Werde Ihnen stets dankbar sein und für Ihre Gesundheit und die Ihrer w.[erte] Frau Gemahlin beten. Bitte Sich bei Erhalt dieser Zeilen mit Adv.[okat] Chirila ins Einvernehmen setzen. Sie nochmals anständig bittend sich unserer zu erbarmen verbleibe mit herzlichen Grüßen an Sie und an die Frau Gemahlin hochachtend
Krämer Rebeka
Moghilau Armeneada
Nr. 9 post restante
Bitte dem Frl Cazacu zu schicken!
Liebe Frau Röder!
Unsere Lage ist hier unbe schre[i]blich. Man geht beinahe mit dem Geld zu grunde. Es heißt, daß die Pensionisten bald nachhause fahren, weil man auf das Dekret Lege von Gen.[eral] Antonescu wartet [XXX] [XXX]], dass in ganz grob [Vertrauen?] alles machen haben. Hoffen die Meisten und sie finden. Außerdem auf Ihre große Hilfsbereitschaft. Gott gäbe dass wir uns bald wiedersehen werden. gesund & froh & eines Tages auch Nähe [XXX]. Hoffentlich finden wir alles. Ich küsse Ihre Hände voll Dank & auch werden hochachtend d. L. Krämer
PS es heißt, daß Pensionisten bald auf Grund eines Minist[erial] Dekrets nachhause geschickt werden. Hoffen wir, dass wir bald auch nachhause geschickt werden. Bitten setzen [Sie sich ein,] damit es beschleunigt wird und zum bald nachkommen Danke [Unterschrift]
Röder
Henndi [?]
Radauti