15/12 1941
Liebe Frau u. Herr Prosser!
Vielen Dank für die Hilfe wodurch ich die erste Nachricht von meiner Schwester erhalten habe. Wir sitzen hier und warten noch immer auf ein gütiges Geschick dass uns eine Änderung unsers Unglückes herbei führen könnte. Sonst gehen wir langsam zu Grunde unter solchen Umständen können wir uns nicht mehr lange halten. Es sind schon sehr viele unserer Bekannten gestorben, was noch nicht das Ärgste ist, denn in solchen Verhältnissen unabsehbar weiterzuleben ist viel schlimmer. Was bis jetzt die Teuerung unerschwinglich, bekommt man jetzt wegen der am 25. der bevorstehenden Einlösung des Rubels um Geld fast nichts, alles nur im Tauschwege, meistens für Seife. Es vergehen bei uns viele Tage ohne Brot, ohne Mehl und Kartoffeln. Zucker ist für uns ein Fremdwort geworden. Wir bitte Euch sehr alles daranzusetzen und die Aktion weiterzuführen, die für uns noch Rettung sein kann. Vielleicht ist es möglich, dich mit Herrn Robert Hermann Cernauti Str. Miron Costin 7 in Verbindung zu setzen, der sicherlich Ihre Aktion für uns weitersterken wird. Wir ersetzen alle Spesen, wir alle günstige Wendung für uns. Wir wissen nicht wie uns im Leben zu bedanken. Wir wünschen Euch fröhliche Feiertage und grüssen Euch herzlichst
Herm.[ann] u Sabina Wagner
Grüsse an Frau Kilgen.
D-lui
Franz Prosser
Radauti