Moghilau 15/XII 1941
Verehrte Herrschaften!
Ich habe Ihnen bereits durch die Post geschrieben, doch da ich annehme das Sie diese nicht erreicht hat will ich heute die günstige Gelegenheit benutzen es wieder einmal zu tun. Seit cca 2 Monaten sind wir hier und wir wären schon zufrieden, wenn wir hierbleiben könnten. Wir wohnen 18 Personen in einem verhältnismäßig kleinen Raum, der aber zum Glück warm beheizbar ist. Auch sind es sehr nette hilfsbereite Menschen mit denen wir zusammenwohnen, was uns diese beinahe unerträgliche Dasein leichter ertragen hilft. Zu der Wohnungsmisere hier, kommt noch die furchtbar schwierige Beschaffung von Lebensmitteln unter der wir besonders leiden. Ich will Sie darum verehrter Herr Kellermann sehr bitten, mit Fam. Rudich ins Einvernehmen zu setzen, sie in meinem Namen zu bitten, mir bei nächster Gelegenheit mit ihrem Kurier etwas mitzuschicken. Was wir dringend brauchen ist frische Butter, Marmelade, Speck und haltbare Wurst. – Ich nehme an dass Sie mit meinem Bruder in Kontakt sind er wir Ihnen Ihre Ausgaben mit größtem Dank retour erstatten. Er hat es schon vor dort versucht doch erreichen seine Liebesgaben uns nicht. Dieser Ihnen genannte Zug ist der sicherste. – Ich wohne im selben Hause mit Fam. Sorda und Fam. Hilsenrath. Ich wäre Ihnen lieber Herr Kellermann vom Herzen dankbar. Wenn Sie uns die gewünschten Dinge schicken würden, Ruthi ist sehr in die Höhe geschossen, sieht in Folge der mangelhaften Kost auch sehr schlecht aus, wir alle werden
nicht weniger doch sind wir zum Glück noch alle gesund. – Ich würde mich sehr freuen wenn Sie mich wissen ließen, wie es Ihnen verehrte Herrschaften geht, welche Nachrichten Sie von Herrn Daiter haben. Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüße Sie innigst Ihre Anna Rath
Fabrica de armaturi Moghliau
Transnistru
Herrn
Adolf Kellermann
Radauti