Übersetzung der rumänischen Gendarmerie
Moghilău, 14/XII 1941
Herrn Lehrer Prosser, Rădăuţi
Sehr geehrter Herr Oberlehrer,
Ich habe Ihnen vor einigen Tagen durch Herrn L[arionescu] geschrieben, jedoch ist in der Zwischenzeit Herr Tw[ers] [hierher] gekommen und morgen fährt er wieder nach Hause, deshalb schreibe ich aus Vorsicht noch einmal. Ich bitte Sie neuerlich, sehr geehrter Herr Oberlehrer, dass Sie sich mit Herrn Bindewald verständigen, damit sie gleich nach Cernăuţi bzw. Iaşi fährt und in meiner Sache mit Herrn K spricht. Die Dokumente sind bei Frau Bindewald. Wegen der Kosten bitte ich Sie, sie vollständig zu tragen. Ich bitte Sie, alles mit Frau Bindewald zu besprechen. Wir werden uns für Ihre Bemühungen besonders erkenntlich zeigen. Unsere Situation wird von Tag zu Tag unerträglicher und bestimmt werden wir sterben, wenn Sie uns nicht im letzten Moment retten. Wir sehen so verändert aus, dass Sie, Herr Lehrer, uns nicht wiedererkennen werden. Wir bitten Sie s[ehr], dass Sie uns 2 Zertifikate schicken, eines in rumänischer Sprache und eines in deutscher Sprache, welche unsere ethnische Herkunft als deutsch ausgeben und deutsche Ideen haben etc., und Sie, als deutscher Gauleiter, die Obrigkeit bitten, dass sie uns in jedem Fall hilft. Diese Zertifikate, könnten uns irgendwann gegenüber den deutschen und rumänischen Autoritäten hilfreich sein. Diese Zertifikate müssten aber den gedruckten Briefkopf [„]Deutsche Gauleiter Rădăuţi[“] und einen Stempel haben, wenigstens eines von beiden. Im Fall, dass Sie keines von beiden haben, Herr Lehrer, bitten wir Sie zu verfügen, diese auf unsere Kosten zu beschaffen. Es wäre eventuell gut, dass Sie verfügen, dass beide Zertifikate auch vom Parohiat unterschrieben werden. Wir bitten Sie, uns die beiden
Zertifikate entweder durch Herrn Tw[ers] oder eine andere vertrauenswürdige Person zu schicken. Entschuldigen Sie unsere Dreistigkeit, aber unsere Not ist unbeschreiblich und wir wenden uns an Sie, Herr Lehrer, wie an einen Vater. Der barmherzige Gott wird Sie und Frau Bindewald belohnen, da Sie ehrlichen und sehr unglücklichen Menschen, die in größter Not sind, helfen. Es geht hier darum, das nackte Leben zu retten. Wir verhungern hier buchstäblich, weil wir kein Geld mehr haben und Lebensmittel nicht zubekommen sind. Wir wären glücklich über trockenes Brot und Kartoffeln, aber nicht einmal diese sind zu bekommen, auch nicht gegen Geld. Ich bitte aber, dass Sie mit niemandem darüber sprechen, außer mit Frau Bindewald. Wie wir hören, muss der Gouverneursbeschluss nach Bucureşti zum Ministerrat gelangen, ich hoffe, der Weg dauert nicht lang, und wir sterben nicht in der Zwischenzeit. Wir bitten Herrn Oberlehrer, uns 50.000 Lei zu schicken, jedoch in den Banknoten mit der jungen Bäuerin darauf, weil alle anderen Banknoten hier nicht gewechselt werden, nur die mit der jungen Bäuerin. Wir sind beide Reserveoffiziere, mein Bruder war freiwilliger Legionär 1918 und am Ende Stabsleutnant. Ich war im Weltkrieg Unterleutnant, ich war 2 Jahre lang an der russischen Front in einem deutschen Infanterieregiment und besitze neben österreichischen Auszeichnungen auch zwei deutsche. Dann war ich im jetzigen Krieg als Arzt Unterleutnant von Juni bis Juli 1941 und Anführer einer Bahrenträgergruppe an der bessarabischen Front. Ich bitte noch zu unterstreichen, dass wir aus der Südbukowina stammen, also aus dem Teil der nicht von den R[ussen] besetzt war. Ich bitte sie noch einmal, Herr Oberlehrer, uns prompt zu helfen, keine Kosten und Mühen zu scheuen. Sie arbeiten sicher im Sinne Ihres verstorbenen Sohnes, welchen ich sehr geschätzt und geehrt habe, und der für mich alles getan hätte, wenn er noch am Leben wäre. Ich hoffe, dass wir die Gelegenheit haben werden, Ihnen für alles persönlich zu danken, und dass ich mich werde revanchieren können. Ich und meine Familie grüßen Sie von Herzen. Ihr dankbarer Dr. Oscar Schwind.
Handküsse an die werte Dame. Angehängt ein Brief von meinem Bruder an Frau Bindewald.
Meine aktuelle Adresse: Moghilău, strada Adolf Hitler 19.
Ich bitte darum, wenn nötig, dass Sie nach Bucureşti aufbrechen um die Lösung [unseres Problems] zu beschleunigen.
Sehr geehrte gnädige Frau. Ich nutze die Gelegenheit um auch Ihnen einige Zeilen von uns zukommen zu lassen. Ich und meine Familie sind in der größten Not und Armut und wir bitten Sie, uns im letzten Moment zu retten. Wir befinden uns auf dem sichersten und schmerzlichsten Weg in den Tod. Sie könnten uns nicht wiedererkennen, so abgemagert sind wir. Ich bitte Sie, sehr geehrte gnädige Frau, alles mit Herrn Prosser in Bewegung zu setzen und nach Cernăuţi bzw. Iaşi zu reisen, um persönlich die Lösung unserer Angelegenheit mit Herrn K. voranzutreiben. Um die Ausgaben wird sich der Lehrer Herr Prosser kümmern. Wir werden Ihnen ewig dankbar sein und uns persönlich revanchieren. Retten Sie 5 unschuldige Menschenleben. Die Dokumente sind bei Ihnen, aber nicht alle. Herr Oberlehrer Prosser wird Sie über alles was notwendig ist, informieren, egal welcher Natur. Retten Sie uns, geliebte gnädige Frau im letzten Moment, sonst ist es zu spät. Mit vielen herzlichen Grüßen von ihrem für immer dankbaren Phöbus Schwind Moghilău (Transnistria), str. Adolf Hitler 19.